Abenteuer Mongolei… oder die Knochenfressertour – Teil 2

15.06.2017; Tag 11 – Nach uns die Sintflut

Wir haben lange und tief geschlafen und fühlen uns super erholt. Im Restaurant im Camp gibt es ein feines Frühstück und wir halten Jagaa wieder einmal eine Predigt was gesund wäre (Apfel) und was weniger gesund ist (Wurst, Speck). Also tauscht er hochmotiviert seine Wurst gegen zwei Stückchen Apfel. Nach dem Frühstück packen wir unsere tausend Sachen zusammen und starten in ein neues Abenteuer. Das heutige Ziel ist Kharakhorum, die alte Hauptstadt zu Dschingis Khans Zeiten respektive unter dessen Sohn Ugedai Khan. Die Route führt uns zuerst über den selben Weg zurück den wir am Vortag gefahren sind bis zur grossen windschiefen Holzbrücke. Was wiederum Morgensport mit Trialtraining im Vulkansteinfeld bedeutet. Bei der Brücke angekommen geht es nun in nordöstlicher Richtung weiter. Wir haben wieder viele unterschiedliche Abschnitte zu bewältigen. Mal steinhart getrocknete Erde die sich sehr zügig fahren lässt, dann wieder sandige, steinige und kurvige Strecken. Bisher habe ich die Kurven immer mit der „vorher Gas weg“ Technik vorsichtig angefahren, heute versuche ich es mit etwas höherem Tempo und Slidetechnik. Ich weiss zwar was damit gemeint ist und wie es zu fahren wäre, traue mich aber noch nicht so richtig, weil ich die Idee habe dabei mehr als gewollt zu rutschen. Der Wille ist zwar da und das Tempo auch, jedoch kneife ich im letzten Moment dann doch. Resultat: Mehr als einmal fahre ich in der Kurve gerade aus. Zum Glück immer ohne Folgen… ein paar Meter durchs Gras, den gröbsten Steinen ausweichen und wieder rein in die Spur. Ab und zu hat es auch mal geklappt, aber es besteht noch Übungsbedarf. Trotzdem kommen wir recht flott voran. Auch heute treffen wir wieder auf matschige Stellen und der Fourgon sinkt beim Queren eines vermeintlich kleinen Bächleins mit dem linken Vorderrad so hart ein, dass die Front des Fahrzeugs im matschigen Boden feststeckt. Mit vereinte Kräften schieben wir den Bus rückwärts aus dem sumpfigen Rinnsal wobei Jagaa und Pascal beim durchdrehen der Räder so richtig schön eingesaut werden. So suchen wir uns eine andere Stelle wo das Wasser weniger tief scheint, jedoch ist es schwierig abzuschätzen weil das Wasser und die Umgebung richtig moorig braun sind. Ich möchte in dieser Suppe auf keinen Fall baden gehen und versuche zügig die Stelle zu passieren. Etwas zu zügig wie ich kurz darauf feststelle. Das hochspritzende Wasser nässt mich bis auf die Unterwäsche ein und läuft gemütlich in die Stiefel. Gut gemacht Frau Tiger! Allerdings bleibe ich nicht lange nass, denn der warme Fahrtwind trocknet mich sofort. Die Strecke führt uns immer dem Fluss Orkhon entlang und wir können viele Tiere beobachten. Heute auch wieder eine grössere Gruppe Geier.

Leider ist es nicht unser respektive unseres Fahrers Glückstag, denn er fährt nun auch noch einen Platten ein. Wir nutzen diese aufgezwungene Pause für die Mittagsrast. Während wir das Essen vorbereiten wechselt Duger das Rad aus und flickt auch noch die vorher leicht verschobene Lenkachse. Mit vereinten Kräften und abwechslungsweise füllen wir das Ersatzrad per Handpumpe mit Luft. Schliesslich können wir weiter fahren, was auch gut ist denn seit geraumer Zeit verfolgen uns wieder dunkle und bedrohliche Gewitterwolken. Kaum haben wir Kharakhorum erreicht kracht es gewaltig und ein heftiges Gewitter entlädt sich. Auf die Sekunde genau können wir uns bei einem grösseren Imbiss mit überdachter Terrasse unterstellen. Zwischenzeitlich gehen Jagaa und Duger Besorgungen machen während wir etwas trinken und unsere Handys checken. Nach dem Gewitter trocknet es rasch ab, der Wind bleibt aber und die schwarzen Wolken auch. So beschliessen wir anstelle des für heute geplanten Zeltplatzes lieber ein Jurtencamp zu suchen welches auch schon bald gefunden ist. In der Jurte angekommen müssen bloss ein paar zusätzliche Bretter organisiert werden damit meine Matratze nicht durch den Rost fällt der von drei mageren Brettchen gebildet wird. Es gibt warmes Wasser, Strom und schnelles Internet und alle sind happy. Nach einem tollen Abendessen welches Jagaa in der Küche des Camps zubereitet steigen wir auf die umliegenden Hügel, was sich hier wie auch sonst überall alleine der Aussicht wegen lohnt. Auf dem hiesigen Stadthügel steht ein Denkmal welches drei grosse Bilder zeigt. In der Mitte jeweils die heutige Mongolei und darum herum die eroberten Länder der jeweiligen Herrschaft. Die Aussicht ist auch hier fantastisch. Man sieht über das ganze Flussdelta und darin verstreut grosse Herden von Tieren. Zur anderen Seite sieht man Kharakhorum, ein schönes Städtchen mit ein paar tausend Einwohnern. Hier gibt es noch keine Hochhäuser und so blickt man über viele farbige Blechdächer. So gut wie jedes Haus ist von einem Gartenzaun umgeben. Die Sonne geht langsam unter und wieder bietet sich ein unglaubliches Farbenspiel. In der Weite sieht man dass irgendwo noch Regen fällt, während wir hier verschont bleiben. War ja klar, jetzt wo wir entschieden haben NICHT zu zelten.

16.06.2017; Tag 12 – Ein stürmischer Tag

Heute Morgen besuchen wir das Museum von Kharakhorum wo die noch erhaltenen Schätze aus der Blütezeit (1200 n. Chr.) der damaligen Hauptstadt besichtigt werden können. Danach machen wir einen Abstecher zum Kloster Erdene Zuu (1500 n. Chr) welches gleich daneben liegt und dessen Aussenmauern aus den Steinen des ehemaligen Kharakhorum erbaut wurde. Das Kloster ist ein grosser Anziehungspunkt für Touristen und entsprechend herrscht hier grosser Trubel und eine ganz andere Atmosphäre als in den abgelegenen Klöstern von Amarbayarsgalant oder Tuvkhun. Die Sonne brennt uns auf den Schädel und es ziehen bereits wieder dunkle Wolken auf. So beschliessen wir etwas früher Mittagspause zu machen um dann zügig weiterzuziehen. Wir machen ausserhalb des Städtchens einen Tankstop als wir bemerken dass sich etwas Grosses zusammenbraut. Jagaa beschliesst zurück in die Stadt zu fahren und dort den anrückenden Sandsturm vorbeiziehen zu lassen. Die Windstärken die dieser mitbringt sind gewaltig und ich bin froh nicht auf dem Bike und vor allem mitten im Sturm sitzen zu müssen. Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorüber und wir können aufbrechen. Wir fahren zuerst auf Asphalt Richtung Norden um später noch das Gokhturk Museum in Khushuu Tsaidam mit Schätzen aus der turkmenischen Zeit zu besichtigen. Danach geht es offroad zum See und unserem heutigen Ziel, dem Ugii Nuur. Die ganze Zeit über sehen wir in der Ferne Gewitterwolken welche sich entleeren. Am See angekommen glauben wir schon ihnen entkommen zu sein und stellen das grosse Zelt auf als heftige Windböen dasselbe fast auseinander reissen. Zu viert halten wir das Zelt mit aller Kraft fest. Dann setzt auch noch Regen ein und wie so oft wird es dazu extrem kalt. Nachdem auch dies überstanden ist versuchen wir die restlichen Zelte aufzustellen was nicht so einfach ist weil der Wind immer noch kräftig weht.

Kurz darauf fegt noch einmal eine Sturmböenserie über den See und wieder können wir das grosse Zelt nur knapp am Boden halten. Ich sehe uns im Geiste schon alle daran hängend über den See fliegen. Das Wetter kann hier wirklich alle fünf Minuten seine Meinung ändern… Sonne raus und heiss, danach Wolken und saukalter Wind. Zu beobachten wie die Wolken sich ständig verändern ist einerseits spannend und gibt immer wieder spektakuläre Fotos, andererseits ist es auch etwas mühsam. Dauernd ist man falsch angezogen weil man entweder friert oder schwitzt. Jagaa versucht Abendessen zu kochen. Er möchte gerne Schaffleisch auf dem Grill braten und nimmt gleich ein halbes Schaf auseinander. Ich begutachte das ganze Treiben etwas kritisch und überlege mir schon was ich alternativ essen kann. Duger will schliesslich das Grillieren auf dem kleinen Holzkohlegrill übernehmen während Jagaa im Fourgon Kartoffeln mit Zwiebeln und Gurken brät. Das Essen nehmen wir ebenfalls im Fourgon ein, es ist einfach zu ungemütlich und zu kalt draussen. Entgegen meinen Erwartungen schmeckt das Fleisch absolut köstlich und ich verdrücke eine Riesenportion. Zusammen mit der scharfen Chillisauce welche hier über jedes Gericht geworfen wird. Wirklich köstlich!! Später will Duger noch mit dem Bus seine Freunde besuchen welche in der Nähe campieren. Was wiederum bedeutet dass wir uns ohne die wärmende Zuflucht des Fourgons in unsere kleinen Zelte verkriechen müssen. Da es dafür aber noch etwas früh ist beschliessen wir dem nahe gelegenen Camp respektive dessen Restaurant einen Besuch abzustatten. Bei Tee, Bier und feinstem Dschingis Khan Wodka können wir mongolische Serien im TV schauen welche Jagaa übersetzt. Schliesslich sind wir müde genug, laufen im Halbdunkel zu unserem Zeltplatz und kriechen in die Zelte. Es regnet nun leicht und in dem kleinen Tümpel neben dem See gibt es live und nur für uns ein Froschkonzert.

17.06.2017; Tag 13 – Ein weiterer Tag am See

Die Sonne scheint und wärmt das Innere meines Zelts, es scheint trocken zu sein als ich aufwache. Jagaa ist bereits im „ich mache Frühstück“ Modus, Duger wäscht Wäsche am See und Pascal montiert die erste Kamera für ein 360 Grad Zeitraffervideo. Hatte ich gestern noch meinen Bikini vergeblich montiert nehme ich heute einen zweiten Anlauf. Wie schon gestern sind die Wolken heute umtriebig und mal lassen sie die Sonne durch und dann wieder nicht, was entsprechend für ein rasches Auf und Ab der Temperaturen sorgt. Ich habe aber so sehr Lust auf ein erfrischendes Bad dass ich schon vor dem Frühstück in den See tauche. Nicht ganz so kalt wie erwartet halte ich es drei Minuten im kühlen Nass aus. Wieder trocken ist der heisse Kaffee schon bereit, Jagaa brät seine „Spiegeleier Spezial“ und ich bereite unser Müsli zu. Nach dem Frühstück beginnt Duger mein Motorrad auseinander zu nehmen weil der linke Gabelholm Oel verliert. Pascal erwähnt dass bei der Gelegenheit auch der vordere Pneu gewechselt werden sollte weil er sehr abgefahren ist und praktisch keine Stollen mehr vorhanden sind. Immer um meine Sicherheit besorgt wird die Servicearbeit genaustens überwacht, das Motorrad danach intensiv Probe gefahren und die Arbeit schliesslich für gut befunden. In der Zwischenzeit habe ich wieder einmal Wäsche gewaschen, denn die Wäsche im See spülen zu können ist viel effizienter als im Lavabo oder Plastikbecken. Die Shirts welche wir auf den Bikes tragen sind unglaublich schmutzig und das zurückbleibende Spülwasser ist dunkelbraun. Die Sonne die nun doch kräftig scheint trocknet die Wäsche schnell und ich berechne meine Chancen für ein etwas längeres Nachmittagsbad.

Beim Mittagessen heizt die Sonne wieder kräftig auf und das Spiel das wir nun schon ein paar Mal gespielt haben wiederholt sich. Zum Glück ist unser heutiges Camp nur ein paar Kilometer von unserem Zeltplatz entfernt und idyllisch auf einem Hügel mit Blick auf den See gelegen. Zusammenpacken, das nächste Ziel anpeilen, ankommen, alles in die Jurte schmeissen und schon blitzt und donnert es. Heute zur Abwechslung von Hagel begleitet. Ich nutze die Zeit um duschen zu gehen. Das Camp hat eine tolle Duschanlage, mit Wasser sparen meinen sie es aber fast zu gut. Meinen Bemühungen zum Trotze ist das schöne Badetuch danach nicht mehr ganz so sauber. Die schöne Gegend möchte erkundet sein und beim nächsten Sonnenstrahl wagen wir uns raus und runter zum See welcher nur ein paar hundert Meter vom Camp entfernt ist um zehn Minuten später unter sintflutartigem Regen zurück zur Jurte zu rennen. Schluss für heute… wir geben auf und verziehen uns in die Schlafsäcke. Ich lese während Pascal sofort einschläft, immer noch halb erkältet und etwas reduziert. Um sieben Uhr gibts leckeren Fisch aus dem See zum Abendessen. Der Regen lässt endlich nach und wieder einmal präsentiert sich ein Sonnenuntergang in den wunderschönsten Farben. Wie immer nach dem Regen ist es sehr kalt, aber wir lassen uns dieses Naturschauspiel trotzdem nicht entgehen und machen fleissig Fotos. Um Pascals Erkältung zu bekämpfen genehmigen wir uns auch heute einen Chinggis Wodka. Danach geht es ab in die warme Jurte und rein in den kuschligen Schlafsack.

18.06.2017; Tag 14 – Sand, Sand und nochmal Sand

Heute wollen wir eigentlich ausschlafen, aber schon um sechs Uhr in der Früh wecken uns die Stimmen der kleinen Kinder die auch im Camp und bereits ausgeschlafen sind. Wir versuchen noch etwas weiter zu schlafen, aber leider nur mit mässigem Erfolg. Beide sind wir etwas gerädert beim Aufstehen. Mich plagen Nervenschmerzen in der Schulter (Bett oder Zugluft), Pascal hat auch nicht übermässig gut geschlafen, fühlt sich aber sonst zum Glück nicht schlechter. Nach dem Frühstück wollen wir zügig los, die heutige Strecke entlang der Sanddüne Elsen Tasasrkhai soll nicht ganz einfach zu fahren sein, da sie zu einem grossen Teil aus Sand und Wellblech besteht. Den ersten Teil der Strecke schaffen wir zügig, auch weil ich die Wellblechpisten mittlerweile mit über 60 km/h zu fahren traue. Langsamer ist eher mühsam, denn es schüttelt einem alle Plomben aus den Zähnen und alle Schrauben in der Ausrüstung locker. Unterwegs macht der Fourgon mal wieder einen Schlenker den Hügel rauf, was sonst bedeutet dass er eine andere Piste sucht. Heute jedoch aus einem anderen Grund. Jagaa hat eine Ziege mit einem winzigen, vielleicht ein paar Stunden alten Zicklein gesehen… alleine ohne Herde. Daneben wartet ein riesiger Geier der es wohl auf das Zicklein abgesehen hat. Wir verjagen den Geier in der Hoffnung, dass die Ziege den Anschluss zu ihrer Herde schaffen möge. Aber solche Sachen gehören halt zur Natur. Mittagspause gibt es in einem kleinen Dörfchen Ich beschliesse dort nun ein Schmerzpflaster aufzukleben da das Eincremen bisher nichts gebracht hat und ich kaum den Kopf drehen kann. Die Jungs decken sich mit anderen SIM Karten ein weil sie ohne ihr 3G nicht leben können. Also werden jeweils die Karten getauscht bis ein Anbieter mit 3G gefunden ist.

Am Nachmittag wird die Piste dann wirklich immer sandiger und die Bikes schütteln öfter mal die Lenker unwillig hin und her. Alternativen gibts nun nicht mehr da neben der Piste nun halbhohe Sträucher wachsen was ein Durchkommen neben der Piste nur schwer zulässt. Der Fourgon welcher sonst im ebenen Gelände so richtig Gas geben kann klebt am Hang wie ein Käfer und kommt nur im Schritttempo voran. An einem steilen Hang im 30 Zentimeter tiefen und feinsten Sand brauche ich Tempo, also muss ich anhalten um dem Fourgon einen Vorsprung zu geben. Was dann wiederum saublöd zum anfahren ist. Ich versuche tapfer mein Glück aber es ist wirklich mühsam, der Sand ist so fein und tief dass der Lenker bald hier hin und bald dahin schlägt und so kein Tempo aufzubauen ist. Schliesslich kippt das Bike zur Seite in den Sand, der Gashebel voller Sand lässt sich nun kaum mehr bewegen. Mit dem schwergängigen Gas traue ich mir keinen neuen Versuch zu und Pascal tauscht mit mir sein Bike. Wir schaffen den Aufstieg doch noch ohne dass uns die Betas abwerfen. Oben angekommen richtet der bereits auf uns wartende brave Duger das Bike schnell zurecht und wir können uns mit einem Schluck Wasser erfrischen. Noch ein zwei solche Stellen sind zu bezwingen und die restlichen Pisten meistern wir auch gut, jedoch ist es sehr anstrengend und ich schwitze zum ersten Mal so richtig. Allerdings auch weil das Wetter heute mal keine Zicken macht.

Nach ein paar weiteren Kilometern windet sich die Strasse ins Hogno Han Gebirge an dessen Fuss wir heute im Camp schlafen. Wir essen etwas früher zu Abend um noch das Kloster Erdene Khamba zu besuchen. Ein ca 4 Kilometer lange Wanderung führt an den speziellen Felsformationen entlang. Die Steine sind sehr gross und alle gerundet, keiner hat scharfe Kanten und fast alle sind geschmückt mit den hellgrünen, orangen und weissen Flechten die hier viele Steine zieren. Wir schiessen unzählige Fotos. Neben all den Knochen welche hier überall liegen haben wir beim Aufstieg über einen Bergkamm als Abkürzung bizarrerweise einen menschlichen Schädelknochen angetroffen. Was für eine Geschichte wohl dahinter steckt? Auch dieses kleine Kloster liegt recht versteckt am Ende einer Schlucht .Es wurde im 15 Jh. gebaut und während der stalinistischen Zeit zu einem grossen Teil zerstört. Es gibt noch Lehmmauern aus der Zeit zu sehen und kleine Tempel. Langsam geht die Sonne unter und wir sind etwas spät dran. So bestellt Jagaa per Handy unseren Fahrer Duger der uns mit seinem Bus auf halber Strecke abholt. Zu viert trinken wir vor der Jurte noch ein Golden Gobi Bier. Heute Nacht wollen die Jungs den Sternenhimmel fotografieren und rüsten ihre Kameras. Schlussendlich habe aber nur ich den nächtlichen Himmel gesehen… bei einer Pinkelpause. Unglaublich wie viele Sterne man hier sehen kann. Sie scheinen, wie tagsüber die Wolken, der Erde extrem nahe zu sein. Lange halte ich mich jedoch nicht draussen auf, denn irgend ein Viech schleicht im Camp herum und macht Laute wie ein junger Fuchs. Und da es hier auch Wölfe geben soll mach ich mich schnell wieder auf in die Sicherheit der warmen Jurte.

19.06.2017; Tag 15 – Der Sand verfolgt uns… Sandsturm

Am nächsten Morgen sind tatsächlich Spuren direkt neben und um unsere Jurte herum zu finden die denen von Hunden oder Füchsen ähneln. Grosse und kleine Abdrücke sind sichtbar. Nach dem Frühstück halten wir Lagebesprechung ab. Wir konnten am Vorabend im Camp während nur gerade zwei Stunden die Geräte, Kameras und Akkus laden und vieles ist nur wenig oder gar nicht geladen worden. Wir überlegen ob wir wohl in der nächsten Stadt eine längere Mittagspause machen und unsere Sachen in einem Restaurant noch laden könnten. Da wir ja am Abend zelten ist dann auch nichts mit Strom und Pascal könnte dann nicht mehr filmen. Zuerst fahren wir also 60 Kilometer in den nächsten Ort und fragen in einem Imbisslokal nach Strom. Wir erhalten die Erlaubnis und schliessen alles an was wir können. Die Pause wird dann auch intensiv von unserem Fahrer Duger genutzt, der nach dem Tanken festgestellt hat dass eine Seite der Tankaufhängung am Fourgon gebrochen ist. Diese befestigt er nun provisorisch mit Zuggurten. Nach der Rast haben wir noch eine Strecke von 120 Kilometern offroad vor uns. Der Weg führt über Wiesen… mal grün, mal karg, entsprechend immer mal mit verschiedenen Tierherden. Die Routen sind wellblechartig-sandig und heute wieder mal besonders staubig. Zum Schluss nochmal mit tieferem Sand den wir heute schon etwas besser meistern. Unterwegs sehe ich eine Schlange am Strassenrand und informiere Pascal über das Headset ob er sie sehen wolle. Ich hatte nämlich schon einmal eine Schlange dieser Art gesehen, aber keiner hat mir geglaubt. Wir drehen um und sehen uns die Schlange an die vermutlich überfahren wurde. Äusserlich sieht sie fast unverletzt aus, aber wäre sie ok wäre sie bestimmt „abgehauen“. Ich glaube dass es eine giftige Schlange ist da ich ein bisschen gegoogelt habe und sie sieht unserer Viper sehr ähnlich. Grau schwarz und zickzackartig gemustert, dreieckiger Kopf und ca 50 Zentimeter lang. Schade um das schöne Tier.

Geplant wäre eigentlich heute in den Bergen zu zelten. Da wir jedoch aufgrund der langen Mittagspause etwas spät dran sind beschliessen wir nicht mehr viel weiter zu fahren. Wir finden dann einen lauschigen Platz am Fluss in der Nähe einer Brücke. Der Himmel ist bewölkt und es gibt leichten Wind, es ist jedoch nicht allzu kalt. Flugs sind die Zelte aufgebaut. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team… Jagaa kocht und Duger macht „Kakafeuer“ gegen die Mücken. Während alle fleissig einer Beschäftigung nachgehen kommen Nomaden zu Besuch. Meist erscheinen sie aus Neugier, diese jedoch bringen eine Botschaft: Am Himmel ist es schwarz, es wird ein Unwetter geben. Das befürchten wir auch, hoffen aber dass es erst in der Nacht kommen wird. Doch schon während dem Abendessen frischt der Wind kräftig auf und in der Ferne bauschen sich gewaltige Wolken über dem Berg auf. Dieses Bild kennen wir nur zu gut. Mist, ein Sandsturm. Erst scheint es als ziehe er hinter dem Bergkamm durch und so hoffen wir auf Verschonung. Rasch wird jedoch klar dass dem nicht so ist. Erst sind wir noch begeistert von dem unglaublichen Naturschauspiel das sich da bietet und stehen Fotos schiessend in der Gegend. Bald darauf wird die Sache jedoch langsam ungemütlich und wir raffen zügig alles zusammen und packen es in den Fourgon. Wie der Wind sich hier präsentieren kann haben wir mittlerweile gelernt. Plötzlich lässt dieser etwas nach und es wird ruhiger, aber auch das kennen wir mittlerweile. Zwei Minuten und dann wird es regnen… begleitet von Blitz, Donner und Sturmböen. Genau so passiert es auch. Wieder verbringen wir einen Abend im Fourgon, sehen zu wie es regnet und wie der Wind unsere Zelte arg beutelt und Heringe ausreist. Pascal und Jagga opfern sich abwechselnd die Zelte zu retten und die Heringe wieder einzustecken. Wir lästern über die mongolischen Wettervorhersagen und futtern Kekse. Um ca 22 Uhr hört der Regen auf, aber der Wind will nicht nachlassen. Wir sind aber so müde dass wir trotzdem schlafen möchten und verkriechen uns in die Zelte. An Schlaf ist aber nicht zu denken, denn der Wind rupft und reisst an den Zelten wie verrückt und veranstaltet einen Riesenkrach. Kaum im Schlafsack fängt es auch wieder an zu regnen. Erst gegen Mitternacht beruhigt sich das Ganze etwas und wir können endlich einschlafen. Die Nacht bleibt jedoch unruhig weil immer wieder Regen fällt und der Wind am Zelt rüttelt.

20.06.2017; Tag 16 – Auf dem Weg in den Chustain Nuruu National Park

Entsprechend zerknittert starten wir in den neuen Tag. Müde und mit dumpfen Köpfen kriechen wir aus unseren Zelten. Zu allem Übel bläst der Wind immer noch stark, es ist frisch und bewölkt. Jagaa reicht bereits herrlich heissen, starken Kaffe und hilft uns damit in den Tag. Zudem brät er Fladenbrote in der Pfanne und fordert uns reihum auf dabei zu helfen. Jeder wird mit der Bratschaufel am im Fourgon integrierten Gas Herd abgeknipst. Müsli wird gerüstet, Fleisch mit Zwiebeln gebraten und es werden Eier gekocht. Die harte Nacht muss kompensiert werden. Kaum haben wir am Frühstückstisch Platz genommen fängt es an zu regnen. Wir wollen uns aber nicht die köstliche Tafel verderben lassen und stellen flugs nochmal das grosse „Küchenzelt“ auf. Tigerchef Pascal schwört das sei seine letzte Nacht im Zelt auf dieser Reise gewesen, komme was wolle. Nach dem Frühstück brechen wir zügig auf weil es nach weiteren Regengüssen aussieht. Warm und in Schichten in die einzelnen Jacken eingepackt fahren wir los. Die Strecke stellt keine grosse Herausforderung dar und wir hängen beide unseren Gedanken nach. So langsam drängt sich ins Bewusstsein dass unsere tollen Offroadtage gezählt sind. Wir machen früh Mittagspause, der Regen hat sich bis auf ein paar Tropfen brav zurück gehalten. Nach dem Mittagessen fahren wir weiter und treffen noch auf eine grössere turkmenische Grabstätte. Wir machen Fotos, es gibt Handyempfang und rasch werden ein paar Posts und SMS versendet damit alle wissen dass wir wohlauf sind.

Die Strecke bleibt angenehm zu fahren bis an den Fuss des Berges, dann dürfen wir nochmal unser ganzes Offroadkönnen abrufen. Da ich vom Cheftiger gestern erstmals wegen zu schnellem Fahren gerügt wurde( beim Hang hinab fahren kurz den Boden unter den Rädern verlassen und einen kleinen Jump hingelegt, aber seriös gelandet bemühe ich mich heute kein unnötiges Risiko einzugehen und konzentriert zu bleiben. Wäre ja auch doof, wo bisher alles so super gut gelaufen ist. Circa 15 Kilometer vor dem Camp sehen wir, nun mitten im Chustain Nuruu National Park, die ersten Przewalski Pferde. Diese Urpferdart, wie das Zebra, war eine zeitlang ausgestorben und wurde 1990 wieder ausgewildert. In diesem Park gibt es nun schätzungsweise 200 Tiere. Im Camp angekommen geniessen wir einmal mehr als erstes eine Dusche und zapfen Strom für die Geräte. Da wir keinen Handyempfang haben steigen wir auf den nächsten ziemlich steilen Hügel bis zu oberst rauf. Wie immer lohnt sich diese Hügelbesteigung in der Mongolei, wir werden mit einer fantastischen Aussicht und Handyempfang belohnt. Man hat einmal mehr das Gefühl man könne die Wolken anfassen und geniesst eine unlaubliche Weitsicht auf Hügelketten, Gewitterwolken und winzige Camps in der Ferne. Im Restaurant gibt es später ein feines Abendessen, während dessen draussen wieder der Regen einsetzt. In der Jurte ist der Strom ausgefallen… kein Wunder bei den teilweise abenteuerlichen Elektroinstallationen. Schon bald wird nach Lösungen gesucht und nach dem dritten Anlauf ist die Sache geflickt.

21.06.2017; Tag 17 – Die letzten Offroad Kilometer

Wir haben prächtig geschlafen und fühlen uns wunderbar erholt. In der Nacht hat es immer wieder geregnet, davon zeugen Wasserlachen neben dem Blechofen. Nun blitzt entgegen der heutigen Prognose für Dauerregen bereits der blaue Himmel zwischen den Wolken durch. Im Camp eigenen Restaurant gibt es ein Frühstück welches keine Wünsche offen lässt. Gestern hatten wir eigentlich beschlossen wegen des schlechten Wetterberichts die kürzeste Strecke nach Ulaanbaatar zu nehmen und dies auf Asphalt, was ich sehr bedauerte. Ich habe noch lange nicht genug und mag keinen Meter Offroad gegen Asphalt tauschen. Da nun aber ausgleichende Gerechtigkeit zu herrschen scheint, als Entschädigung dafür dass wir beim Zelten obwohl immer gute Prognosen jedesmal verregnet und verstürmt wurden, schlägt Jagaa eine Routenänderung vor. Juhee, doch noch ein bisschen Offroad für circa 90 Kilometer, danach noch 100 Kilometer Asphalt weil nicht anders möglich. So brechen wir also auf um vom Chustain Nuruu Nationalpark in den Terelj National Park zu fahren welcher östlich von Ulaanbaatar liegt. Wir geniessen die Offroadstrecke wie ein unerwartetes Geschenk… die Piste ist sehr angenehm zu fahren und staubt wegen der Feuchtigkeit kaum. Es gilt einzig diverse Pfützen im eleganten Slalomstil zu umfahren. Ja, allmählich fahre ich ziemlich treffsicher und ohne ständig das Tempo drosseln zu müssen. Wir nehmen nochmals ganz bewusst die schöne Landschaft, die riesigen Schaf- und Ziegenherden und die vielen wilden Pferde wahr. Der unglaublich blaue Himmel, die Wolken die hier so tief liegen und die scheinbar unendliche Weite tief in uns auf. Viel zu schnell treffen wir auf die Asphaltstrecke. Richtung Ulaanbaatar wollen wir die Stadt eigentlich südlich umfahren, aber wir scheinen eine Ausfahrt verpasst zu haben und sind plötzlich beim Chinggis Khaan International Airport. Weil uns schön länger der Hunger plagt beschliessen wir gleich hier etwas zu essen. Völlig widerwillig gehe ich in de Flughafen, hier mag ich eigentlich noch gar nicht sein. Hab noch lange nicht genug von Abenteuer, Offroad und neuen Entdeckungen in diesem wunderbaren Land.

Nach dem Essen fahren wir am südlichen Rande der riesigen Stadt entlang und dann Richtung Osten in den Terelj Nationalpark. Es wird kälter und ein paar Regentropfen platschen uns ins Gesicht, so dass wir nun doch noch die Jacken anziehen. Kurz darauf kommen wir im Camp an. Wir dürfen eine wunderschöne Jurte beziehen und bekommen sofort Tee serviert. Es gibt richtig heisses Wasser zum Duschen und ich bin ein bisschen versöhnter dass die Reise dem Ende entgegen geht. Etwas später machen wir uns wieder auf die Suche nach guter Internetverbindung und besteigen den Hügel hinter dem Camp. Oben angekommen sehen wir die Schilkrötenfelsen… es sieht tatsächlich so aus als sässe auf jedem Felsen eine Schildkröte. Es sind jedoch „nur“ Felsen auf Felsen. Wie meist finden wir auch hier einen Spot mit Handyempfang und posten rasch ein paar Worte und Fotos für unsere Lieben und die treuen Freunde die uns während der ganzen Reise virtuell begleiten. Vom Hügel zurück im Camp haben wir Besuch in der Jurte, ein Streifenhörnchen sieht sich gemütlich und frech in unserer Behausung um. Das Tierchen ist aber viel zu flink als dass wir es fotografieren könnten und haut so schnell wieder ab wie es aufgetaucht ist. Nach einem vorzüglichen Abendessen besuchen wir noch den offiziellen Schildkrötenstein. Dieser beeindruckt uns jedoch nicht so sehr wie eine in der Nähe weidende Pferdeherde mit vielen, zum Teil noch ganz kleinen Fohlen. Wieder in der Jurte angekommen klettern wir noch einmal auf den Hügel um ein paar Posts abzuschicken und um nochmal die tolle Weitsicht zu geniessen. Einmal mehr werden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt, gefolgt von der „blauen Stunde“ in allen rosa, lila und blau Tönen welche die Formen der Felsen noch einmal deutlicher betonen. Gefüllt mit vielen schönen Bildern und Eindrücken fallen wir wenig später müde, aber höchst zufrieden in unsere Betten.

22.06.2017; Tag 18 – Der letzte Tag unterwegs in der Mongolei

Die wunderschönen Jurtenbetten erweisen sich als schöner aussehend als bequem, sind bretthart und für Pascal definitiv zu kurz. So haben wir nicht ganz so gut geschlafen und es fällt besonders mir schwer zu verbergen dass ich traurig bin dass das Ende so schnell naht. Das Wetter ist heute angenehm, am Morgen noch etwas frisch aber es zeigt sich dass es ein schöner Tag werden wird. Es gibt noch einmal mongolisches Frühstück mit (zu) viel Fleisch… Omelett mit Fleisch, geratene Wurst im gebratenen Speckmantel und eine mittelgrosse Wurst daneben. Dazu Toastbrot, Butter, Marmelade und ein frittiertes Gebäck welches es bei uns zur Fasnacht gibt und in der Schweiz „Schlüferli“ heisst. Dazu Schwarztee und für mich ein Pulver welches entfernt an Kaffee erinnert. Dieser Kaffee schmeckt gar nicht schlecht. Es kann aber nicht viel Kaffee drin sein, denn ich kann gefühlt tausend Tassen trinken ohne davon wach zu werden. Pascal bleibt beim Schwarztee. Alle Sachen werden von der Wirtin so liebevoll serviert, man spürt richtig dass sie ihre Arbeit liebt. Dieses Camp sticht durch seine Qualität wirklich hervor. Es ist alles blitzsauber und zudem liegt es landschaftlich wunderbar gelegen und ruhig. Umso schwerer fällt das aufbrechen und der Abschied. Heute gibts kein Offroad mehr, 30 Kilometer Asphalt zum Chinggis Khaan Monument und dann 60 Kilometer zurück nach Ulaanbaatar. Das Monument habe ich schon auf Bildern gesehen, es beeindruckt aber nochmal mehr wenn man es in echt vor sich hat, speziell wegen seiner Grösse. Einer Sage zufolge hat Chinggis Khaan einmal seine Peitsche verloren und einer seiner Soldaten fand sie genau hier. Deshalb wurde das Monument an dieser Stelle erbaut. Natürlich ist es entsprechend bevölkert respektive wird von vielen ausländischen und auch einheimischen Touristen besucht. Hochzeitspaare lassen sich vor der riesigen Statue ablichten, Japaner schiessen die obligaten Fotos, man kann mongolische Pferde reiten oder sich mit Adler oder Geier auf dem Arm verewigen lassen. Da ich diese edlen Tiere in der freien Natur so bewundert habe tun mir diese hier geradezu unglaublich leid. Im Innern des Monuments gibt es ein Museum mit Gegenständen aus der Zeit von Chinggis Khaan. Eine Jurte, Pfeile und Bögen, Kettenhemden, Fellhemden, Helme, Münzen und Schmuck sowie Gefässe. Auch seine Geschichte wird zusammengefasst. Ich habe eine Kurzversion der Geschichte schon im Reiseführer gelesen und sie hat mich stark beeindruckt. Von Jagaa weiss ich nun dass es auch ein Buch darüber gibt: „Die geheime Geschichte der Mongolen“. Erstausgabe aus dem 1200Jh… eine etwas neuere Ausgabe werde ich mir sicher noch besorgen.

Nach dem Besuch des Museums gibt es noch das obligatorische Abschiedsfoto mit der Probike-Mongolia Plane vor den mongolischen Kriegerstatuen, von denen offenbar noch Tausende hergestellt und hier aufgestellt werden sollen. Danach heisst es Rückfahrt nach Ulaanbaatar. Ich bin heilfroh als wir endlich im Oasis ankommen. Im Stadtverkehr der mongolischen Hauptstadt mit ihren rund 1,3 Millionen Einwohnern zu fahren stresst mich tausendmal mehr als jede Offroad Herausforderung. Es wird rücksichtslos überholt und dazwischengequetscht. Ohne Rückspiegel fühle ich mich richtig gehend behindert. Aber zum Glück geht alles gut. Im Oasis angekommen klatschen wir uns gegenseitig ab und sind sehr dankbar dass wir die Reise so gut gemeistert haben. Wir helfen einander den Fourgon zu entladen. Der Ziegenskelettkopf, meine treue Begleiterin, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Schafbock und wird nun abmontiert. Auch gut, Hauptsache er hat mich gut beschützt. Er wird in der Probike Garage warten bis ich wieder komme. Und das werde ich! Wir sind hungrig, die Jungs bestellen das obligate Schnippo. Ich weigere mich europäisches Essen zu mir zu nehmen… ich möchte Buuz, die Reise darf noch nicht zu Ende sein. Nach dem Essen müssen wir uns bereits von unserem treuen Fahrer Duger verabschieden. Er möchte vor der nächsten Tour kurz seine Familie sehen. Auch Jagaa hat zu tun und möchte seine Frau Oodnoo sehen. So sind wir also plötzlich und ungewohnt wieder uns selbst überlassen. Pascal beginnt sofort damit Fotos zu bearbeiten und Dateien zu kopieren. Ich sortiere Wäsche und verpacke Schlafsäcke und Matten für die Rückreise und schreibe am Bericht und höre seit langem wieder einmal Musik. Um zwanzig Uhr bekommen wir ein wenig Hunger, aber die Küche ist schon zu. In der Kühlvitrine gibt es noch leckeren Käsekuchen, passt auch. Wir sitzen draussen auf der Terrasse und geniessen die restlichen Sonnenstrahlen. Ein junger Koreaner setzt sich zu uns an den Tisch und erzählt uns auf englisch in sehr persönlichen Worten von seinen Beweggründen für seine Reise. Leider ist diese für ihn frühzeitig zu Ende weil ein tiefes Schlagloch sein Motorrad zerlegt hat. Er ist etwas traurig und sinniert wie es nun weitergehen soll sowie über das Schicksal und den Sinn des Lebens. Wir ermutigen ihn mit den Worten dass „nach dem Abenteuer vor dem Abenteuer ist“, denselben Worten die auch uns trösten sollen. Gerne hätten wir noch weiter mit dem interessanten Gast aus Südkorea philosophiert, aber ein anderer temporärer Oasis Bewohner möchte uns auf ein Bier einladen. Ich hatte diesem Biker am Morgen ein paar Schmerzpflaster geschenkt, weil er aufgrund eines Unfalles mit seinem Motorrad stark hinkend und mit bös geschwollenem Fuss umher lief. Sehr dankbar darüber dass keiner von uns sie benötigt hat habe ich sie gerne weitergegeben. So nehmen wir die Einladung dankend an. Der Biker aus Deutschland ist schon viel und sehr weit mit dem Motorrad gereist und lässt uns an seinen Abenteuern teilhaben. Diese Unterhaltung führen wir auf deutsch und so zieht sich Han-Gil, der junge Südkoreaner, zu unserem Bedauern zurück. Wir tauschen noch rasch die Facebookadressen aus und wünschen einander alles Gute für die Zukunft.

23.06.2017; Tag 19 – Tag des Abschieds

Rund um das Oasis ist das mongolische Leben aktiv und die vielen Hunde im Quartier sorgen für einen zeitigen Start in den Tag. Um elf Uhr sind wir mit Jagaa und Oodnoo verabredet um gemeinsam zu Mittag zu essen. Den Morgen verbringen wir wie den gestrigen Nachmittag, jeder kramt ein bisschen was für sich und in seinen Gedanken. Am Mittag führt uns Jagaa fürstlich zum Essen aus. Wir gehen zu einem gediegenen Italiener und fühlen uns mit unserer Freizeitbekleidung direkt etwas underdressed. Das Essen ist lecker und wir unterhalten uns sehr angeregt mit unseren mongolischen Freunden. Am Nachmittag wird der arme Jagaa noch damit geplagt als Einleitung für Pascals Filme die jeweilige Tagesroute auf der Karte einzuzeichnen und die gefahrenen Kilometer anzugeben. Dann darf Pascal noch Jagaas Fotos kopieren. Es hat wirklich tolle und äusserst gelungene Schnappschüsse dabei und es kommen viele lustige Momente und Begegnungen hoch an welche wir uns noch lange erinnern werden. Jagaa hat während der Reise oft Pascals „Technicals“ bewundert. Besonders angetan hat es ihm das Joby Gorillapod, ein Stativ mit dem Pascal die 360 Grad Videos und die Videos am Abend bei den Campingaktivitäten gedreht hat. Pascal hat Jagaa dieses Gorillapod zum Schluss geschenkt was diesen fast zu Tränen gerührt hat, was wiederum uns sehr nahe gegangen ist. Jagaa hat uns eine kleine Filzjurte geschenkt welche symbolisch ausdrücken soll dass wir darin immer gemeinsam wohnen sollen, sprich zusammenbleiben sollen. Ein sehr schönes Geschenk als Gegenstand und speziell vom Gedanken her. Ich habe eine kleine Ledertasche fürs Handy erhalten, wie ich sie oft unterwegs bewundert habe. Darüber freue ich mich wirklich sehr. Viel zu schnell geht auch dieser Tag vorüber und nach einer weiteren Nacht im Oasis heisst es am nächsten Tag Abschied nehmen. Jagaa fährt uns zum Flughafen, wir trinken einen letzten Kaffee zusammen und ein paar Stunden später sind wir auch schon in der Luft und in Richtung Schweiz unterwegs wo wir nach einem langen Tag um Mitternacht wohlbehalten zu Hause ankommen.

Andreas Fazit

Wir waren insgesamt 21 Tage in der Mongolei, davon 18 Tage unterwegs und sind in 16 Tagen ziemlich genau 2000 Kilometer gefahren. Davon wiederum schätzungsweise 400 auf Asphalt, den Rest auf unterschiedlichsten Offroad Strecken. Das ist zwar keine Riesenstrecke, aber uns hat es genau so extrem gepasst. Wir hatten so immer auch Zeit in der Natur zu wandern, Klöster oder Museen zu besuchen und anzuhalten auch um kleine Naturschauspiele zu bewundern. Hatten Zeit gemütlich zusammen zu kochen und auf Hügel zu klettern für die Aussicht und Handyempfang. Einander zu erleben, interessante Gespräche zu führen, Freunde zu werden. Die Weite des Himmels, des Horizonts, der Landschaft, die Natürlichkeit der Tiere, die Leere und die Ruhe habe ich als unglaublich wohltuend und entschleunigend erlebt. Auch in den Nächten in denen ich nicht so gut geschlafen habe war ich innerlich still… kein Gedankenkarussell, keine Reizüberflutung… einfach nur wunderbare Ruhe. Ich werde sooo viel von diesem Land mitnehmen.

Pascals Fazit

Für mich war es nach 2015 das zweite Mal dass ich dieses wunderbare Land besuchen durfte. Wie vor zwei Jahren habe ich auch auf dieser Reise viele wunderbare Momente und unglaublich beeindruckende Erlebnisse in und mit der Natur erlebt. Auch oder gerade weil diese Reise für mich auf dem Motorrad sitzend (oder stehend) ganz anders war als vor zwei Jahren mit gebrochenem Schlüsselbein im Auto sitzend habe ich die Mongolei ganz anders wahrgenommen als auf meiner ersten Reise. Konnte ich auf der Knochenbrechertour eher meinen Gedanken nachgehen und die Natur wie aus der Ferne oder durch ein Fernglas geniessen war ich auf der diesjährigen Knochenfressertour mittendrin statt „nur“ dabei. Die Reise auf dem Motorrad durch ein Land wie dieses erfordert höchste Konzentration und stete Wachsamkeit und doch erlebt man speziell abseits der Strassen fast jeden Meter mit einer unglaublichen Intensivität wie man sie bei uns vergeblich sucht und wohl auch nicht finden wird. Diese Weite, die Stille, die (auch fehlenden) Gerüche sowie das „der Natur ausgesetzt“ sein machen so eine Reise zu einem Abenteuer, auch wenn wir den Komfort einer gut organisierten Begleitung geniessen konnten. An dieser Stelle möchte ich auch mal den Jungs von Probike Mongolia danken welche solche Reisen erst möglich machen. Natürlich gilt auch hier das Motto „Geld gegen Ware“, aber es gibt doch stark unterschiedliche Arten und Weisen wie man so eine Reise gestalten und somit für die Teilnehmer zu einem Erlebnis machen kann. Für mich war es wie für Andrea auch eine Reise unter Freunden und ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl ein Fremder in einem fremden Land zu sein. Und auch wenn das jetzt etwas pathetisch und unglaubwürdig klingen mag… für mich ist die Mongolei zumindest im Herzen so etwas wie eine zweite Heimat geworden und ich würde keine Sekunde zögern wenn ich die Gelegenheit hätte wieder dorthin zurück zu kehren.

Danke Jagaa, danke Duger dass ihr uns auf dieser Reise durch euer wunderbares Land als Freunde begleitet habt.

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6 Kommentare zu Abenteuer Mongolei… oder die Knochenfressertour – Teil 2

  1. Martina Saner sagt:

    Hey, ihr Lieben
    anderthalb Stunden auf dem Sofa euren eindrücklichen Bericht gelesen… angeregt, berührt..Danke dafür. Ja, das Reisen öffnet, rückt die eigene kleine, komfortable Schweizer Welt in etwas andere Perspektiven…die erlebten Abenteuer schweissen zusammen und die vielen Bilder im Herzen bleiben für immer… und ohne an die Grenzen zu gehen, werden Grenzen halt nicht weiter… das geht nicht ganz ohne Leiden ab 🙂 das geht uns auf den Hochtouren in den Bergen ähnlich….

    • Tiger on trail sagt:

      Sali Martina

      Vielen Dank fürs reinschauen und den lieben Kommentar. Es freut uns sehr wenn wir euch ein Stück weit mitnehmen konnten. Und ja, manchmal muss man seine Komfortzone verlassen um Aussergewöhnliches erleben zu dürfen. Aber das dadurch Erlebte und Gewonnene ist oft um ein Vielfaches grösser als das eingegangene Risiko… sofern man es nicht übertreibt.

      Liebe Grüsse
      Pascal und Andrea

  2. Chris aus Hofkirchen sagt:

    Hallo Andrea, hallo Pascal!

    Noch immer gefesselt sitze ich nun da und weiß nicht was ich recht schreiben soll. Auch gerührt vom Tag 19 und den Abschiedszenen und -gedanken über die Leute und das Land.
    Ich verneige mich in tiefer Anerkennung vor dir Andrea über die oft sehr gefühlvollen, offenen und oft sehr witzigen Worte, sowie der tollen Beschreibung über ein Land, dass ich auch sehr, sehr gerne bereisen möchte. Und vor dir Pascal, mit deinen tollen Bildern und bestimmt faszinierenden Videoaufnahmen, auf welche ich mich sehr freue. Hab schon eure Tour 2015 mit viel Neugier verfolgt, auch wenn du weniger davon hattest.

    Ich habe mir fest vorgenommen, dieses Land und auch Jagaa mit seinem Team zu besuchen und hoffe dieser Zeitpunkt ist bald.

    In diesem Sinne nochmals DANKE für euren Bericht und der nicht so wenigen Arbeit, die ihr damit hattet.

    • Tiger on trail sagt:

      Hallo Chris

      Vielen herzlichen Dank für diesen ausgesprochen netten und motivierenden Kommentar. Es freut uns sehr wenn beim Leser die bei der Reise oder in bestimmten Momenten erlebten Gefühle ansatzweise so ankommen wie wir sie zu dem Zeitpunkt empfunden haben. Denn nur dann ist ein Bericht ehrlich und authentisch. So eine Reise, speziell mit Probike Mongolia und vor allem mit Jagaa, können wir nur empfehlen und ich hoffe dass du dir diesen Traum erfüllst. Du wirst es mit Sicherheit nicht bereuen!

      Grüsse aus der Schweiz
      Pascal und Andrea

  3. Kuno sagt:

    Liebe Tigers

    Hab mir nun soeben Nonstop eure Reise gegönnt und bin mit Andreas schönen Worten und den passenden Fotos in die unendlichen Weiten der Mongolei versunken.
    Und auf die bewegten Bilder freue ich mich auch schon.
    Vielen Dank fürs Teilhaben lassen an eurer Reise

    • Tiger on trail sagt:

      Hallo Kuno

      Gern geschehen. Vielen Dank fürs reinschauen und das nette Feedback. Freut uns sehr wenn wir dich auf unserer Reise ein Stück weit mitnehmen konnten und es dir gefallen hat.

      Grüessli
      Pascal und Andrea

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