Yuneec Typhoon H

Dienstag, 07. Juni 2016;

Ich bin respektive war nach meiner Kopterselbstbauphase mit dem DJI Flame Wheel F450 und dem äusserst gelungenen XuGong v2/Pro lange auf der Suche nach dem für mich perfekten Kamera-Kopter. Da die RTF (ready to fly – auspacken und fliegen) Modelle mittlerweile die selbst gebauten Kopter bezüglich Leistungsfähigkeit und Funktionen zumindest in dem von mir gesetzten Budget deutlich übertreffen war selber bauen diesmal keine Option.

Mein neustes mit dem Yuneec Typhoon H gedrehtes Video…

Zuoberst auf der Prioritätenliste stand für mich ganz klar eine gute bis sehr gute Kameraqualität, speziell für Videoaufnahmen. Danach erst folgten Anforderungen wie verlässliche Technik, (möglichst) geringes Packmass, zusätzliche Features wie Follow Me oder ähnliche Spielereien welche “out of the box” funktionieren, einfaches und möglichst unkompliziertes Handling sowie ansprechende Haptik und Optik. Gerade aus letzterem Grund schied bei mir der Phantom 4 von DJI schon früh aus dem Rennen da ich das (für mich) nach Spielzeug aussehende Äussere des P4 einfach nicht mag. Dass der P4 in seiner Klasse, in welcher im Grunde genommen auch der Typhoon H mitspielt, das beste Gesamtpaket bietet steht ausser Zweifel. Da merkt man dem Kopter respektive DJI die jahrelange Erfahrung und den daraus resultierenden Vorsprung einfach an.

Yuneec Typhoon HMein Yuneec Typhoon H in Action…

Zurück zum Typhoon H. Das neuste Modell von Yuneec ist als Hexakopter (sechs Motoren) ausgelegt und bietet bereits in der Basisversion bis jetzt noch nicht dagewesene Features… zumindest in dieser Preisklasse. Der Hexa hat den Vorteil dass beim Ausfall eines Motors oder einem Crash mit einem Objekt in der Luft der Kopter im Optimalfall auch mit 5 oder sogar nur 4 noch funktionierenden Motoren sicher und ohne Absturz gelandet werden kann. Dieses Feature wurde von verschiedenen Typhoon H Besitzern schon mehrfach erfolgreich getestet…mal mehr, mal weniger freiwillig aber fast immer mit einem guten Ende für den Kopter. Das aktuell wohl bekannteste Beispiel ist die Attacke einer Möwe auf den Typhoon welcher danach trotz Ausfall eines Motors vom Besitzer ohne Crash gelandet werden konnte. Das Video findet man relativ einfach auf Youtube. Eine weitere Besonderheit des Kopters sind die ab- und aufklappbaren Motorarme sowie die neuen Quick Release Propeller welche in Sekundenschnelle angebracht sind. Daneben bietet der Typhoon H eine um 360 Grad und ohne Anschlag schwenkbare Kamera welche ausserdem um 90 Grad, also senkrecht nach unten gerichtet werden kann. Dieses Feature bietet so gut wie kein anderes RTF Modell und schon gar nicht in dieser Preisklasse. Alleine das macht den Typhoon zu einem einzigartigen Kamerakopter. Aber dieses Feature macht natürlich nur dann wirklich Sinn wenn keine “Kopterbeine” im Bild zu sehen sind weshalb der H über ein hochklappbares Landegestell verfügt. Das macht in Kombination mit der 360 Grad Kamera nicht nur Sinn sondern sieht auch noch verdammt cool aus.

Mein erstes mit dem Yuneec Typhoon H gedrehtes Video…

Eine weitere Besonderheit der Yuneec Kopter ist das in der Fernsteuerung verbaute Android Tablett welches einerseits als FPV Monitor dient und andererseits viele Einstellungs- und Überwachungsmöglicheiten für den Kopter bietet. Was sich bereits beim Q500 bewährt und gut gemacht hat wurde bei der ST16 genannten Funke perfektioniert. Das Tablett ist im Vergleich zum 5.5 Zoll grossen Display der ST10 auf 7 Zoll gewachsen. Man kann von der Lösung mit dem fix eingebauten LCD halten was man will, ich finde sie ideal. Während man bei anderen Koptern immer noch ein Smartphone oder Tablett mitschleppen, laden und mit speziellen Apps ausrüsten und konfigurieren muss funktioniert die ST16 “out of the box”. Aus dem Koffer nehmen, einschalten, losfliegen… einfacher geht’s nicht. Dafür ist die Typhoon H Funke etwas voluminöser und schwerer, liegt aber insgesamt sehr gut und angenehm in der Hand. Speziell mit dem mitgelieferten Lanyard (Nackentragegurt). Die Funke bietet neben den Schaltern für die Flugmodi (Smart, Angle und Return to Home Modus) ausserdem Switches für den Kameraschwenk (horizontal 360 Grad endlos und vertikal 90 Grad), die Empfindlichkeit der über die Sticks abgesetzen Befehle und somit die Fluggeschwindigkeit (Hase oder Schildkröte), das hoch- und runterfahren des Landegestells und einen Schalter um das “Obstacle Avoidance Sytem” oder auf gut deutsch, die Hinderniserkennung mittels den beiden noch vorne gerichteten Ultraschallsensoren einzuschalten. Der Kopter fliegt übrigens mit ausgeschaltetem GPS annähernd 90 Stundenkilometer und ist selbst im Follow Me Modus in Kombination mit dem Wizard über 70 km/h schnell.

Typhoon H mit Peau 3.97mm f/2.8 82d HFOV 16MP ObjektivYuneec Typhoon H mit Backpack…

Eine ganze Menge an tollen Features und coolen Funktionen also welche auch mich zu einem frühen Kauf des Typhoon H veranlasst haben. Da ich natürlich nicht der einzige mit dieser Idee war machten im Netz bald einmal ein paar falsche Infos und schlechte Ratschläge die Runde wie dass man auf keinen Fall den Kopter kalibrieren sollte und ähnliche, nicht sachlich fundierte Hirngespinste. Leider habe ich diese Fehlinformationen entgegen meinen sonstigen Gepflogenheiten geglaubt was zur Folge hatte dass mein schlecht kalibrierter Kopter tat was er wollte und ich den Typhoon H anfangs nur mit Mühe kontrollieren und mehr als einmal nur knapp einen Absturz verhindern konnte was mich ziemlich frustriert hat. Da ich solch ein Verhalten von keinem anderen meiner mittlerweile doch stattlichen Anzahl an RTF und Selbstbaukoptern kannte war ich in der Folge entsprechend verunsichert. Als dann auch noch Feedbacks wie “der ist kaputt, den musst du einschicken” zu meinem geschilderten Problem kamen war ich drauf und dran den Typhoon zurück zu schicken und es mit einem anderen Modell einer anderen Marke zu versuchen.

Typhoon H mit Peau 3.97mm f/2.8 82d HFOV 16MP ObjektivYuneec Typhoon H “Ready to fly”

Zum Glück habe ich irgendwann wieder auf mein Bauchgefühl gehört und mich an meine Erfahrung im Kopterbau erinnert welche mittlerweile doch zumindest über das Anfängerniveau hinaus geht. So habe ich angefangen Ursachenforschung zu betreiben und mich im Netz nach ähnlichen Problemen und eventuellen Lösungen umgeschaut. Langer Rede kurzer Sinn, mir wurde relativ schnell klar dass diese Phänomene nur mit einer schlechten oder falschen Kalibrierung der Sensoren und/oder des Kompass zu tun haben konnten. So habe ich sämtliche Systeme inklusive der Fernsteuerung zurückgesetzt, am Typhoon H alle möglichen Helferlein kalibriert und danach einen ersten, vorsichtigen Testflug gewagt. Ab dem Moment hat der Kopter exakt das getan was ich von ihm erwartet und ihm befohlen habe und hat seither nicht mehr rumgezickt.

Yuneec Typhoon H LinseOriginal Objektiv der CGO3+…

Dann war da noch die Sache mit der Linse. Die CGO3+ genannte Kamera meines Typhoon hatte anfangs ein ziemliches Schärfeproblem. Egal welche Einstellungen und Auflösungen ich ausprobiert habe, die Qualität der Aufnahmen war unbefriedigend und für mich so nicht brauchbar. Da ich den Kopter auch jetzt und speziell nach dem Erfolg mit der Kalibrierung nicht einsenden wollte habe ich mir überlegt wo das Problem liegen respektive wie ich es lösen könnte. Die Linse hatte definitiv ein Schärfeproblem welches selbst für einen so kleinen wie in der CGO3+ verbauten Sensor untypisch war.

Typhoon H mit Peau 3.97mm f/2.8 82d HFOV 16MP ObjektivYuneec Typhoon H mit nachträglich eingebautem Peau 3.97mm f/2.8 82d HFOV 16MP Objektiv

So machte ich mich abermals auf die Suche nach einer Lösung und bin bald einmal im Netz auf einen Typen namens “The FPV-Guy” gestossen. Dieser hatte das Standard Objektiv der Typhoon Kamera durch eine wertigere Linse der Firma Peau Productions ausgetauscht. Da für den Austausch der Linse das alte Objektiv logischerweise raus muss habe ich das kurzfristig an einem freien Nachmittag innert einer Stunde erledigt. Die Linse war am Ende der Gewindefassung mit einer dicken Schicht Leim verklebt was einiges an Arbeit verursacht und meinen feinmotorischen Fähigkeiten einiges abverlangt hat. Wie auch immer, irgendwann war der Leim weg und ich konnte das Objektiv mühelos und ohne Einsatz von Gewalt entfernen.

Berge am MorgenFoto aus dem Early Bird Video…

Da die neue Linse noch unterwegs war und ich nicht ohne Objektiv filmen konnte entschloss ich mich dazu die Original Linse nochmal einzubauen und eine Neujustierung zu versuchen. Die Neujustierung der Linse mit Hilfe meines LCD Fernsehers und dem Ausdruck eines Siemensstern’s hat einen ziemlichen Unterschied zu Tage gebracht was die Schärfe angeht. Das Ganze wurde nur noch dadurch getoppt dass die mittlerweile gelieferte und bereits eingebaute 3.97mm f/2.8 82d HFOV 16MP Linse von Peau nochmal deutlich schärfer und vor allem materialtechnisch und somit qualitativ klar besser ist. Die Geschichte hat mir einmal mehr gezeigt dass die QS in China teilweise wirklich eine Katastrophe oder gar inexistent ist. Egal, ich besitze nun mit dem bereits von mir modifizierten Typhoon H die für mich “eierlegende Wollmilchkoptersau” und bin jetzt zu hundert Prozent zufrieden mit meinem fliegenden Kameramann.

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2 Kommentare zu Yuneec Typhoon H

  1. Ingo Thiede sagt:

    Einfach klasse Deine Berichte. Wir hoffen auf viele schöne Videos…

    • Tiger on trail sagt:

      Hallo Ingo

      Vielen Dank fürs reinschauen und das nette Feedback. Werde hier sicher noch einiges zum Typhoon H schreiben.

      Grüsse aus der Schweiz
      Pascal

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