Normandie im Mai 2015

Donnerstag, 16. April 2015;

Wie jeden Frühling stellt sich die Frage wohin die grössere Tour in diesem Jahr gehen soll. Eigentlich war ja für diesen Mai Marokko geplant, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Berufliche Veränderungen haben halt manchmal ihre Auswirkungen und so muss Nordafrika und das marokkanische Hochgebirge noch ein, zwei Jährchen warten.

Mont-Saint-Michel, Cherbourg, Omaha Beach, Normandie… Namen die fast jeder schon mal irgendwo gehört hat. Da mir Frankreich besonders gut gefällt, wir den Süden mittlerweile gut kennen und mich auf einer Reise die geschichtlichen Aspekte zunehmend interessieren haben Andrea und ich beschlossen mit unseren beiden Tigern dieses Mal die Normandie unsicher machen.

Mein Grobplan sieht vor von der Schweiz aus Richtung Nordwesten entlang der französisch-belgischen Grenze  zu fahren und dann irgendwo (Dünkirchen/Calais) an der Atlantikküste entlang bis ca Höhe Mont Saint-Michel zu fahren. Der Detailplan steht noch aus, aber ich bin mir sicher dass auch diese Tour eine Besondere wird…

Geplante Route
Die in etwa geplante Route…

Mittwoch 13. Mai 2015; Tag 4 nach dem eigentlich geplanten Beginn der Reise… oder warum das Leben manchmal ein Arschloch ist!

Eigentlich sollten wir schon irgendwo an der französisch-atlantischen Küste rumkurven und den Mont Saint-Michel in der Ferne sehen… eigentlich. Aber der Reihe nach.

Am Samstag, einen Tag vor der geplanten Abreise, hatte ich noch die glorreiche Idee an meinem Tigerchen einen Service durchzuführen da die 50tkm Inspektion just irgendwo auf der Rückreise zwischen Brest und Paris fällig werden würde. Kein Problem, ist ja nicht das erste Mal dass ich sowas mache. Schnell in den Polo Shop gedüst, ne 4L Kanne von meinem Lieblingsmotorenöl mit Himbeeraroma und diverse Kleinteile besorgt. Einen Satz Inspektionsmaterial für unsere Tigers (Öl- und Luftfilter, Kerzen usw) habe ich immer vorrätig. Also Motörchen warm laufen lassen, Öl ablassen und wie in Trance zuschauen wie das schöne, wertvolle “Alt”öl in den Auffangbehälter plätschert. Danach der Griff zum Ölfilterschlüssel und Filter losdrehen. Jaaa klaaar, denkste. Der Schlüssel dreht durch und der Filter will und will sich nicht bewegen… keinen Mikromilimeter. Welcher dämliche Idiot hatte den das letzte Mal festgezogen (wer wohl, drei Mal darf geraten werden). Nützt ja nichts, das Ding muss runter. Da ist mir die Geschichte von einem gewissen Michael (ist jetzt egal welcher) in den Sinn gekommen der ein ähnliches Problem hatte und die in einem Desaster endete. Schon läuft es mir kalt den Rücken runter und in Gedanken sehe ich meinen Tiger in Teilen vor mir liegen. Bevor du jetzt was Dummes anstellst, Google ist dein Freund. 10, 15, 20 Minuten später… alles Quatsch was da steht. Also Hirnzellen aktiviert und Ölfilterschlüssel mal etwas genauer angeschaut. Ich könnte doch vorne am Schlüssel (billiges Plastikteil, Original Triumph!) vier kleine Löcher reinbohren, dort vier Blechschrauben reindrehen, Schlüssel auf Filter aufsetzen und mit dem Hämmerchen draufschlagen. Dann könnte ich die Blechschrauben doch reindrehen und das Ganze müsste sich dann irgendwann lösen lassen. Gesagt, getan… resp erstmal mit zwei Schrauben probiert. Ausser dass das restliche Öl zu den Löchern rausgeschossen und mir über die Finger gelaufen ist passierte nicht wirklich viel. Ok, dann das ganze Programm… vier Schrauben gehn rein, ein Filter kommt raus. Vier Schrauben gehn rein, ein Filter kommt raus. Vier Schrauben gehn rein, ein Filter kommt raus. Visualisiere dein Ziel! 10 Sekunden später ist das Drecksteil runter. Der Rest ist schnell gemacht und erzählt. Neuer Filter, neues Öl blablabla…

Oelfilter
Darf ich vorstellen… das “Drecksteil”.

Also gut, wenn du jetzt schon soweit bist könntest du auch gleich mal eine neue Map aufspielen. Wäre ja nicht das erste Mal. Uralt XP Laptop hervorgekramt, ODB Kabel mit USB Anschluss von Spinnweben und sonstigem Ungeziefer befreit und an den Diagnosestecker der XC angeschlossen. Erstmal auf Fehlercodes überprüfen… alles gut, keine Fehler in der Matrix. Hmmm, welche Map darfs denn heute sein. Original XC Map mit Original Krawalltüte für weniger Benzinverbrauch? Machen wir, mit den 0,5 Litern weniger Verbrauch auf 100KM kann ich in der Normandie eine Bouillabaisse mehr schlürfen. Also Sicherung der Discobeleuchtung entfernt (wegen Batterie leer schlürfen), zur Sicherheit Batterie an Ladegerät angeschlossen und Map aufgespielt. Alles gut, alles grün. Tigerchen angeworfen um den obligaten TPS Reset zu machen (10-15 Min im Leerlauf/Standgas laufen lassen). Plötzlich geht die XC unvermittelt aus. Ok, jetzt bloss keine Panik!!! Panik? Panik?! Panik!!! Die Sch…dr…ar…fi…Karre springt nicht mehr an. Wuuusaaaa… tief durchatmen. Benzin check, Zündung check, Benzinpumpe check, Sicherungen check. 246 Checks weiter weiss ich immer noch nicht was Sache ist und das Diagnosetool zeigt keinen Fehler an. In Gedanken sehe ich schon wie sich meine Haut grün verfärbt, ich das Garagendach mit beiden Fäusten durchschlage und die XC wie eine Wattebäuschchen auseinander pflücke. Was ist denn heute bloss los? Ich brauch erstmal nen Espresso… Lila, Arpeggio, Nummer 9 auf der Nespresso Drogenskala. Fünf Nespresso (oder heisst es Nespressi?) später steht die XC splitterfasernackt vor mir. Yeah Baby, geile… Kerzenstecker?

Airbox
Nackter Tiger…

Tank runter, Airbox runter, Luftfilter runter, Ansaugtrichter runter, Kerzen rausschrauben… alles tiptop gereinigt und gebürstet (wo nötig) und wieder zusammen gesetzt. Tank rauf, Zündung an, Diagnosetool gestartet… kein Fehler. Einmal kurz den Anlasserknopf gedrückt und die Katze schnurrt als wäre nie was gewesen. Probefahrt, Tigerchen fährt sich wie frisch ab Werk. Alles gut, wir sind wieder dicke Freunde und meine Haut kriegt ihren ursprünglichen Farbton zurück. Eine Stunde später kriege ich dann die Nachricht dass meine Oma gestorben ist. Ich habe seit Montag Zahnschmerzen welche immer schlimmer werden und nur mit starken Schmerzmitteln einigermassen erträglich sind. War heute beim Zahnarzt und der hat nicht viel gefunden resp machen können. Wenn die wenigen vorgenommenen Massnahmen nicht helfen darf ich Freitag nochmal ran (morgen ist ja ein Feiertag). Das heisst wohl bye bye Frankreich und hallo Stress und Schmerzen pur. Und da ich momentan auf Drogen bin fällt mir das Schreiben einigermassen leicht und lenkt mich ab. Ansonsten ist das Ganze grad nur mit ner guten Portion Sarkasmus und schwarzem Humor erträglich.

Montag, 25. Mai 2015;

Fazit nach 2 Wochen “Urlaub”: wir hatten keinen Urlaub und die Ersatzreise der ursprünglich geplanten Reise (Marokko) ist auch ins Wasser gefallen. Aber die wird genauso wie die Marokko Reise nachgeholt. Versprochen und garantiert…

In zwei Wochen geht’s Richtung Mongolei. Da freu ich mich jetzt grad richtig und doppelt drauf.

P.S. Die Normandie Tour wurde übrigens mittlerweile nachgeholt, genau so wie die unvergessliche Marokko Reise.

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2 Kommentare zu Normandie im Mai 2015

  1. Angelika sagt:

    Eigentlich wollte ich etwas über die Normandie lesen, da mich dieses Gebiet so interessiert. Aber jetzt sitz ich da und lach mich schlapp über die Schilderung der Reparaturen VOR der Reise. *ahahahahaha*
    Toll geschrieben!

    • Tiger on trail sagt:

      Hi Angelika

      Ja, wenn man es so liest kommt es ganz lustig rüber. Und ich kann im Nachhinein wenn ich es selber lese auch darüber lachen. Aber in dem Moment war es einfach nur mühsam und unnötig. Aber wer so dämlich ist und einen Tag vor der Abreise so umfangreich am Moped rumschraubt hat es wahrscheinlich auch nicht anders verdient. 😉 Wie auch immer, wir hatten dann wenigstens noch drei nette Tage in den Vogesen. Schwamm drüber, die Normandie Tour steht immer noch zuoberst auf unserer Liste und wenn alles planmässig läuft wird sie diesen Herbst nachgeholt. Also, Daumen drücken. Danke für’s reinschauen und den Kommentar.

      Grüsse
      Pascal

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